Sammlungsbewertung für das Technik- und Verkehrsmuseum Stade

Hansestadt Stade

Seit 1983 sammeln ehrenamtlich engagierte Bürger in Stade technische Objekte aller Art und stellen sie aus in einer von der Stadt Stade seit 1985 unentgeldlich überlassenen ehemaligen Gewerbehalle. Die selbstgestecken Kriterien an die Sammlung sind der regionale Bezug (30 km Umkreis um Stade) sowie der Zeitschnitt: ab 1850. Mit diesem Ansatz ist eine vielfältige Sammlung entstanden, die gut geschützt im Technik- und Verkehrsmuseum (TuVM) gerne gezeigt wird. Zur Fotogalerie

Durch die positive städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt Stade hat das Gelände mittlerweile so hohen Immobilienwert erhalten, daß der Stadtrat eine entsprechende Verwertung zugunsten der Steuerbürger und des Stadthaushaltes beschlossen hat. Schon den Verzicht auf nichtrealisierte Verpachtung beziffert die Stadtverwaltung auf 38.000 € jährlich. Es gibt auch Kaufinteressenten, die neben dem Verkaufserlös auch Arbeitsplätze und Gewerbesteuern in Aussicht stellen können. Deshalb hat die Hansestadt Stade nach einer 1½ jährigen Überlegungs- und Prüfungsphase zusammen mit dem Trägerverein des TuVM Ende 2010 die Hallennutzung zum Jahresende 2011 gekündigt.

Da den Enthusiasten aus dem Trägerverein in ihrer Emotionalität zu den gesammelten Objekten die Neukonzeption des Hauses an einem neuen Standort nicht zugemutet werden soll, hat die Hansestadt Stade im Frühjahr 2010 ein Fachbüro mit einer ersten Grobinventarisierung beauftragt, die auf Empfehlung des Museumsverbandes für Niedesachsen und Bremen e. V. drei Gutachtern als Basis für eine erste, museologisch fundierte und objektive Sammlungsbewertung dienen konnte. Die drei Gutachten wurden dem Kulturausschuß des Stadtrates in einer öffentlichen Sitzung am 9. 2. 2011 erstattet. Alle drei Gutachter empfehlen, die Sammlungsbestände deutlich zu konsolidieren und bestimmte Objekte parallel zu der Ausarbeitung eines neuen Museumskonzeptes für eine neue, didaktisch durchdachte Ausstellung zu nutzen.

Die Hansestadt Stade bietet dem Trägerverein eine andere – kleinere – Halle zur (zumindest in den ersten Jahren kostenlosen) Nutzung an sowie die Kostenübernahme für die Konzeption und den Umzug des Hauses. Die auf mehr als 500.000 € geschätzen Kosten für die Museumsentwicklung können eingeworben bzw. im Haushalt bereitgestellt werden, sobald der Trägerverein TuVM e. V. seinen Willen zu einer konstruktiven Mitarbeit erkennen läßt. Dies haben die Mitglieder mittlerweile beschlossen.

Meine Arbeit

Mein Gutachten bezieht sich auf 383 bezifferte Objekte sowie weitere Objektgruppen und Konvolute aus den Sammungsbereichen Mobilität und Maschinenbau. Diese überwiegend größervolumigen Objekte (darunter ein Schiff im Freigelände, 3 Bunker, 2 Flugzeuge, eine Lok, ein Güterwagen, eine Lokomobile, ein Lkw und mehrere Feuerwehrautos und Pkw) belegen den weitaus größten Anteil an der Ausstellungsfläche. Doch zeigte sich, daß sie trotzdem nicht ausreichten, auch nur eines der angestrebten Sammlungsgebiete repräsentativ abdecken zu können. Außerdem zeigte sich, daß bei nahezu keinem der Objekte die Provenienz für einen historischen Zeugen hinreichend bekannt bzw. dokumentiert ist. Deshalb mußte ich eine eher schematische Objektbewertung konzipieren. Jedes Objekt wurde in jedem Kriterium einzeln und dann zusammengefaßt bewertet, worauf sich eine Klassifizierung mit Empfehlungen für den künftigen Verbleib ergab.

Im Ergebnis zeigte sich, daß etwa die Hälfte der Objekte wohl schon ohne genauere Abstimmung mit dem künftigen Museumskonzept in anderen Sammlungen besser aufgehoben sein könnten. Unter den für die Neukonzeption wahrscheinlich geeigneten Objekten befinden sich allerdings auch eine Reihe von Preziosen und sehr wertvollen Stücken. Bei der öffentlichen Kulturausschußsitzung am 8. 2. 2011 wurde die Arbeit vorgestellt (zur Präsentation).

Auch bei der Tagung der Fachgruppe Technikhistorische Mussen des Deutschen Museumsbundes am 11. 5. 2011 wurde die Arbeit vorgestellt (zur Präsentation).

Zu dem dabei vergleichsweise vorgestellten Einweckglas mit eingekochtem Wasser noch als Beispiel für den Wert dokumentierter Objektprovenienz (Auszug aus dem Ausstellungskatalog Feuer und Flamme, Oberhausen 1994). Das Einweckglas befindet sich heute im Ruhr-Museum Essen und ist sogar das Lieblingsobjekt des Museumsdirektors Prof. Dr. Ulrich Borsdorf [Das Museums-Magazin, 2010, S. 7]:

"Mein persönliches Lieblingsobjekt ist ein Einweckglas: In diesem Glas weckte eine Frau aus dem Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg sauberes Wasser für ihre neugeborenen Zwillinge ein. So hat dieser Alltagsgegenstand eine in ihm gespeicherte individuelle Geschichte, steht aber darüberhinaus im Zusammenhang mit einem weltgeschichtlichen Tatbestand, der Bombardierung des Ruhrgebiets. Unsere Absicht ist es, die kollektive Erinnerung des Ruhrgebiets, wozu dieses Einweckglas mit dem sauberen Wasser unbedingt gehört, mit Naturobjekten zu >kontern<, zum Beispiel mit Salzkristallen oder einer Baumscheibe. In diesen Objekten sind dann ganz andere Zeitdimensionen zu erfahren als in denen, die dem kollektiven Gedächtnis angehören. Dieser Bedeutungsreichtum ist aber genauso in dem Einweckglas aufgehoben, und darum ist es mein Lieblingsobjekt, weil es eine symbolische Bedeutung für die Museumstätigkeit insgesamt darstellt – wir im Museum wecken ja auch etwas ein, wir konservieren es, um es zu erhalten."

Bericht aus dem Stader Tageblatt vom 3. 12. 2010

Bericht aus dem Hamburger Abendblatt vom 16. 12. 2010

Bericht aus dem Stader Tageblatt vom 30. 12. 2010

Bereicht aus dem Stader Tagelblatt vom 15. 1. 2011

Bericht aus dem Hamburger Abendblatt vom 19. 1. 2011

Bericht aus dem Hamburger Abendblatt vom 11. 2. 2011

Bericht aus dem Stader Tageblatt vom 15. 2. 2011

Bericht aus dem Hamburger Abendblatt vom 15. 2. 2011

Bericht aus dem Stader Tageblatt vom 23. 2. 2011

Bericht aus dem Stader Tageblatt vom 1. 3. 2011

Bericht im Mitteilungsblatt Nr. 72 des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen e. V.